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EXZELLENZ! – Mit Latein am Ende II

Verantwortlicher Autor: C. Schmieder Berlin, 03.05.2017, 19:45 Uhr
Presse-Ressort von: C. Schmieder Bericht 5691x gelesen
Education Flag Ship
Education Flag Ship  Bild: © Fotos: C.S.

Berlin [ENA] Die sogenannte Exzellenz-Initiative des Bundes geht in die dritte Runde und die deutschen Universitäten halten bereits die Hände auf. Während öffentlich allumfassende Harmonie zelebriert wird, geht es hinter den Kulissen zu wie im Haifischbecken. Doch wie exzellent ist diese Exzellenz?

Jeder ordentliche Professor, jede ordentliche Professorin, jeder Lehrstuhl, der sich früher ein Oberseminar leistete, nennt dies jetzt Forschungskolloquium und hält dies öffentlich ab. Hierzu werden gelegentlich Fachvertreter eingeladen, um etwas Glanz in den Laden zu bringen. Mußten für solchen Glanz einst Gastvorträge herhalten, wie sie von jedem Institut und den dort versammelten Lehrstühlen ausgerichtet und zum Teil international aufgewertet wurden, zu denen einst auch ehemalige Institutsangehörige sich einstellten und an die Stätte ihres Wirkens zurückkehrten, scheint – bis auf Ausnahmen – jetzt die kleine Form eben jenes Forschungskolloquiums sich durchgesetzt zu haben.

So an den Berliner Universitäten, wo an einer von diesen Ende Mai 2016 ein wissenschaftliches Schwergewicht den Vortrag „Zukunft für Augustus – Zeit und Zukunft bei Vergil und Ovid“ hielt. Worum es dabei eigentlich ging, war schwer auszumachen. Der Vortragende, ein gewisser Ulrich S., bedient sich bei den Texten seiner Lieblingsdichter und verblendet seine Worthülsen mit Kollegenzitaten à la „Augustus’ construction of time“, bleibt jedoch eine Ausführung, was es damit auf sich habe, schuldig.

Worin nun dieses augusteische Zeitkonzept bestehe, welches seine Charakteristika seien, was das besondere daran ist und mit welchen philosophischen Zeitkonzepten – ob Augustinus, ob Bergson, ob Heidegger – es korreliert bzw. von welchen es sich absetzt: Kein Wort. Nicht einmal darüber, was die Reihung historischer Ereignissen in der Zeit damit zu tun habe, zumindest derart, wie Geschichtswissenschaft sie auffaßt.

Um so reger wie anregender die anschließende Diskussion, die – wohlwollend und wenig kritisch – sich auf das Niveau des Vortrag begibt. Als letzter meldet sich ein nicht mehr ganz junger Wissenschaftler, der nochmals nach jenem Zeitkonzept und seinen Besonderheiten bzw. Verhältnis zu anderen Zeitkonzepten zu frage sich gestattete, und was dieses Zeitkonzept des Augustus so besonders mache, es aus den anderen Konzepten heraushebe. Der Exzellenz-Professor S. wirkt derart überrascht von dieser Frage, daß die Moderation unvermittelt die Diskussion abbrach und den Vortragenden in das After-Event entläßt.

Es bleibt die Frage, was eigentlich stattgefunden habe, was es mit diesem exzellenten Vortrag des Professors vom Exzellenzcluster TOPOI, dort den Gruppen C-IV, B-5 und C-6 assoziiert, auf sich habe. Die Antwort hierauf ist nicht schwer: Nicht viel. Mag man die gymnasiale Aufgabenstellung „Analysiere und interpretiere vergleichend ...“ vor Augen haben, so fand hier allerdings weder Analyse noch Interpretation statt. Was aber dann? Bei aller Ehrfurcht gegenüber dem Begriff Exzellenz, war es nichts anderes als ein alternierendes Nacherzählen von Textstellen der beiden genannten Autoren, das irgendwie irgendeinen Sinn ergeben sollte, der jedoch bis heute sich nicht eingestellt hat.

Einige Wochen später, so wird kolportiert, fragte eine jener Personen, die an jenem Vortragsabend sich die Ehre gegeben hatte, präsent zu sein, weshalb der Frager eigentlich eine solche Frage gestellt habe, wo doch die theoretischen Schwächen von S. allseits bekannt seien. Hierauf kann dann allerdings wohl nur wiederum gefragt werden, wie ein Jemand mit solchen „theoretischen Schwächen“ überhaupt Professor werden konnte, zumal an einer prestigeträchtigen Berliner Universität? Die Antwort ging jedoch im wild-sanften Rauschen der Exzellenzbetriebsamkeit unter, vom Bundesministerium steht sie hingegen noch aus.

Wilhelm
Professor S.: Angriff auf die Pressefreiheit
Alexander
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